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Gedanken
Individuelle Mythologien und private Chiffren - Zur Kunst von Christa Manz-Dewald

Zu Beginn der Siebziger Jahre stellte die Dokumenta 5 (1972) unter dem weit gefassten Oberbegriff "Individuelle Mythologie" erstmals einer breiteren Öffentlichkeit eine Kunstrichtung vor, die durch ihr dezidiertes Bekenntnis zur Subjektivität auffällt. Dabei zeigen die verschiedenen Kunstproduktionen solcher subjektiven schöpferischen Aussagen keinen gemeinsamen Nenner, sondern entziehen sich mit großer Nachdrücklichkeit jeder pauschalisierenden Typisierung durch ihre offene Form und vor allem durch die betonte einmalige Identität des Künstlers. Von der Fülle anderer Kunsttendenzen der Zeit jedoch lassen sich die Individuellen Mythologien klar abgrenzen- nicht zuletzt durch ihre Darstellung konzentrierter Intensität des Erlebens, das sich weit weniger an formalen Fragen denn an der spürbarem Identität von Absicht und Ausdruck orientiert.
Den Individuellen Mythologien ist ein ganz ureigener geistiger Raum gemeinsam, in dem ein jeder Künstler je individuell jene Zeichen oder Signale setzt, die seine Welt bedeuten. Hier manifestiert sich ein neu erlebtes Individualitätsbewusstsein innerhalb der Gesellschaft. Durch das Eintauchen in unterbewusste Träume, durch mythologische Vorstellungen und durch meditative Übungen wollen die Bildwelten der Individuellen Mythologie die Suche nach verlorengegangener arkadischer Geborgenheit (Arkadien ist hier als ein idealer, geistig- sinnlicher Raum gemeint!) wieder freilegen. Damit einher geht eine Zeichenmysthik, die dem Dargestellten im Sinne einer nachgerade magischen Symbolik beigegeben wird. Die künstlerische Entwicklung von Christa Manz-Dewald ist nicht ohne diesen künstlerischen Zeitgeist verständlich. Ihre Mischtechniken beschränken sich auf wenige assoziationsstarke Farben (braun-blau-schwarz), die ein verschlüsseltes Beziehungssystem innerer Sinngebung erstellen, das nur dem Eingeweihten verstehbar
wird, der sich in das private Mythenlabyrinth hineinbegibt: "(...Sie beinhalten eine reflexive wie expressive Zeichensprache, es soll aber nichts Entgültiges formuliert werden, auch wenn die Tusche sich dominant hervorhebt. Das Bild (selbst) soll ein Dialog mit sich selbst sein - einen Prozess veranschaulichen - der vielleicht den Weg zum Betrachter öffnet (...)" (C. Manz-Dewald 2000) Die Bilder sind Dokumente individueller Erfahrung und schützen durch ihre "Schlüssel-Bildlichkeit", duch die eigentümliche Notationssystematik zugleich gegen die Außenwelt. Manz-Dewalds Malerei ist das erzählerische Protokoll einer Spurensicherung, die nicht mit weltfremder "Innerlichkeit" verwechelt werden will und kann. Determinierende Bildtitel und solche prozessuale Kunst gehen schlecht zusammen. So wurden die meisten Exponate lediglich -Ordnung stiftend- nummeriert. Eine Ausnahme bildet das Wortspiel "La Mer et la Mère" ("das Meer und die Mutter"): es übertitelt eine Installation der Künstlerin und deutet zugleich deren fragende Verweisfunktion an:

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